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Foto Titelbild: Ulf Schiller – https://schillerphoto.com/

Auf dem Weg zur Studenten-WM:
Ich lief in Lettland an den WM Selektionsläufen zwei sehr ansprechende Rennen und freute mich in der Mitteldistanz, wie auch in der Langdistanz jeweils über hervorragende Ränge (2x 5. Rang im Schweizer Team). Ich war sehr nahe an einem möglichen WM Startplatz. Ich denke, in vielen anderen Nationen wäre ich mit diesen Läufen sicher qualifiziert für die WM – ich laufe einfach in einem zu starken Team, aber das ist auch gut so! Es tut gut, wenn man Namen wie Kyburz oder Hubmann in einem Rennen schlagen kann. Es tut gut, wenn man auf Augenhöhe mit Topathleten stehen kann bei einzelnen Rennen.

Studenten-WM:
Ich startete im Sprint sowie in der Langdistanz und der Staffel. Leider bekam ich auch dieses Jahr keinen Startplatz in der Mitteldistanz, obwohl ich den Selektionslauf gewann und mein bestes Weltcupresultat in der Mitteldistanz war. Im Nachhinein kann ich leider sagen, dass genau dieses Mitteldistanzrennen so viel einfacher gemacht hätte.

Ich war motiviert und fühlte mich im Vorfeld sehr wohl mit meinen Läufen. Mein Ziel war klar: nachdem ich vor zwei Jahren mit zwei Medaillen nach Hause kam und die dritte durch einen falschen Posten verpasst habe, wollte ich unbedingt wieder Medaillen gewinnen. Besonders wollte ich in der Langdistanz eine Medaille gewinnen. Ich wusste, dass ich dies drauf habe und dementsprechend hoch setzte ich meine Anforderungen an mich.

Sprint:
Der Sprint ist leider sehr schnell erklärt. Ausser einem kleinen Fehler zum dritten Posten (10-12 Sekunden) fehlte mir einfach der Speed. Ein Problem, dass ich schon lange habe und an dem ich leider in diesem Jahr nicht arbeiten konnte aufgrund meiner Hamstringprobleme.
Ein sehr enttäuschender 21. Rang resultierte – 2 Jahre nach Bronze nun chancenlos auf so ein Resultat.

Langdistanz:
Was war das für ein Gefühl: ich war auf der Einlaufkarte und habe hier zweimal mich «verlaufen». Ich wollte den Start gut erwischen und fühlte mich eigentlich auch schnell. Im Postenraum gab es dann aber eine Unsicherheit, und noch eine und als ich den zweiten Posten hatte und zu drei unterwegs war kam noch eine Unsicherheit dazu, ebenfalls zu vier. Auch zu fünf war ich nicht wohl und erst ab da an kam ich mehr und mehr ins Rennen. Ich merkte selber, dass der Start nicht gut war. Aber ich wusste in einer Langdistanz geht es auch ums drann zu bleiben und daran bis ins Ziel alles zu geben. Ich tat dies und ausser einem Fehler zu 9 (nochmals 80-90 Sekunden) lief ich ein hervorragendes Rennen. Aber eben erst ab dem fünften Posten. Von dort bis ins Ziel lief ich so schnell wie die Spitze und konnte zwar viele Ränge aufholen, aber eigentlich war es schon zu spät. Im Zieleinlauf hörte ich die Ränge 1-7 und dann meinen Namen. Noch bevor ich die Ziellinie überquerte kam der grosse Frust in mir auf – ich hätte es drauf gehabt, ich hätte mich im schwierigen Gelände wohl gefühlt, aber erst nach einigen Posten zum «warm» werden. Und genau dieses «warm» werden hätte die Mitteldistanz sein können… Auch wenn wäre und wenn sehr müssig ist – diese Gedanken waren als erstes in meinem Kopf.
Zum Glück gab es sofort eine grosse Aufmunterung, als ich sah, dass Jönu Egger Gold gewinnen konnte. Beeindruckend und sehr cool, dass ein Trainingskollege und guter Freund das schaffen konnte, wovon wir alle immer etwas träumen!
Ich schlief dennoch mit grossem Frust im Bauch ein…

Staffel:
Eigentlich sollte dieser Absatz am längsten dauern, denn es ist die einzige tolle Geschichte der Studenten-WM. Chrigi Meier, Jönu Egger und ich liefen schon einige Staffeln zusammen an Grossanlässe. Noch nie haben wir es aber geschafft, dass alle eine solide Leistung abrufen konnten. Nicht aber dieses Jahr: Ich lief die erste Strecke und mein Ziel war klar: aggressiv, aktiv und möglichst das Feld Sprengen. Genau dies tat ich und obwohl sich ein Läufer von Finnland vorne etwas absetzen konnte behielt ich die Nerven und leistet die nötige Nachführungsarbeit um unser Team an zweiter Stelle ins Rennen zu schicken. Chrigi tat gleiches und lief eine hervorragende zweite Strecke (nur gerade 2-3 Monate nach einem Ermüdungsbruch). Jönu ging an 5er Stelle raus in Reichweite zu Gold. Er machte sein Job ebenfalls sehr gut und musste sich eigentlich nur wegen der langen Gabelungsvariante geschlagen geben (das nennt man Wettkampfpech).
Für uns gab es am Ende Bronze, wenige Sekunden hinter Finnland und mit grossem Vorsprung auf Rang 4/5!

Ein toller Abschluss einer harzigen Woche. Nebst den Wettkämpfen war die Stimmung jedoch hervorragend, so dass ich mit positiven Gefühlen nach Hause ging. Zu Hause stellten sich mir allerdings einige Fragen und einige Probleme.
Wieso bin ich physisch immer noch nicht auf dem Niveau, auf dem ich sein sollte?
Wieso schaffte ich es zum ersten Mal in meiner Karriere nicht, am Tag X mein normales Soll zu erfüllen? Und was muss ich machen, um den nächsten Schritt machen zu können.

All diese Frage sind zwar noch immer offen, aber der Weg zur Beantwortung dieser ist gegeben.
Seit der Studenten WM befinde ich mich nun in einem intensiven Trainingsblock mit vielen qualitativen Einheiten auf der Bahn aber auch im Gelände.
Ich muss härter an mir arbeiten und disziplinierter im Training sein. Ebenfalls muss ich mir für mein Training mehr Zeit nehmen um die Qualität zu erhöhen und dies geht nur, indem ich auch mehr Zeit dafür aufbringen kann (sprich mein Pensum sonst etwas minimiere).
Wie ich das alles mache weiss ich allerdings noch nicht. Sicherlich werde ich wohl etwas weniger Zeit mit Organisationen von OL’s, Kartenaufnahmen und ähnlichem verbringen.

Die Herbstsaison startet in 2 Wochen mit den Selektionsläufen für den Weltcup in Norwegen. Let’s see how far it will go!!

Als Abschluss noch etwas Werbung:
Ich durfte mit Ulf Schiller (www.schillerphoto.com) ein sehr tolles Shooting in den Bergen machen. Die Bilder werden von Zeit zu Zeit veröffentlicht und man darf sehr gespannt sein. Ulf ist ein toller Fotograf und ich bin sehr froh, dass ich mit Ihm diesen Tripp machen konnte. Hoffentlich gibt es auch in Zukunft noch weitere solche Fotoshootings. (Stephan Wiesner ist leider wieder zurück nach Deutschland ausgewandert – aber mit Ulf habe ich einen ebenbürtigen Ersatz gefunden).