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Ich hatte Glück, die Gürtelrose konnte ich dank strenger Pause und viel Ruhe sehr schnell in den Griff bekommen, und die Schmerzen im Bein klangen rasch ab. Ich konnte also nach einem Unterbruch von gut zwei Wochen wieder mit dem Training beginnen. Aber die Frage war nun: wozu trainiere ich noch?
Das Euromeeting war der Höhepunkt im Herbst, da ich da nicht teilnehmen konnte und auch am Weltcup in der Schweiz «nur» Ersatzathlet war, legte ich den Fokus also voll und ganz auf die Sprint-Schweizermeisterschaften (SPM) im Jura.
Diese wurden in diesem Jahr im Wald durchgeführt und es lohnte sich, noch einige Trainings auf dem Massstab 1:4’000-1:5’000 durchzuführen und das Sprinten im Wald zu trainieren.
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Ich absolvierte einige tolle Trainings und wie aus dem Nichts kam dann eine Woche vor dem Weltcup (oder genauer gesagt am Dienstag vorher) die Nachricht: «Floo’s you can run Longdistance on Saturday! Make sure you will be prepared»
Leider hatte sich Fäbu Hertner nicht von einer Rückenverletzung erholt und ich durfte seinen Platz in der Langdistanz einnehmen.
Wieder bot sich mir spontan eine Chance, auf höchstem Weltniveau zu starten und wieder wollte ich diese nutzen (wie schon im letzten Jahr in Arosa, damals in der Sprintstaffel).
Ich stand sehr motiviert und freudig am Start am Samstag – auch wenn ich wusste, dass ich vorher keine Zeit gehabt hatte, um auf einer 1:15’000er Karte zu laufen.
Für mich stimmte dann zum Glück die Aussage „Heimgelände ist wohl noch immer Heimgelände“, mir passte der schnelle Aargauer-Wald“, und der Wechsel auf diese Distanz viel mir nicht wie befürchtet schwer sondern leicht!
Ich lief ein gutes Rennen und bin sehr zufrieden mit meiner Leistung! Es schlichen sich natürlich kleine Unsicherheiten und zwei schlechte Routenwahlen ein, aber ich konnte von Beginn weg mein Tempo laufen und konnte hintenraus sogar sehr gute Abschnittszeiten liefern. Die Bahn hätte für mich sogar noch 10 Minuten länger sein dürfen, aber was soll’s – nach 95 Minuten war ich im Ziel und mit dem Rückstand von 10 Minuten auf Gesamtweltcupsieger und Weltmeister Matthias Kyburz durfte ich zufrieden sein.
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Nach dem Weltcupeinsatz nutzte ich das tolle Wetter und die erstaunlich frischen Beine und rannte mit Chrigi Meier von Leukerbad über die Gemmi nach Kandersteg.
Diese Tour zeigte mir wieder einmal, dass ich definitiv ein Dieselmotor bin und es wohl viel braucht, um mich einmal müde zu machen (dafür dann aber die Batterien wirklich leer sind).
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Nach einer tollen Trainingswoche im Tessin als Vorbereitung für die EM 2018 stand dann noch die SPM auf dem Programm, und hier wollte ich zeigen, dass sich meine spezifische Vorbereitung darauf gelohnt hat.
Ich merkte auf der Einlaufkarte, dass mein Konzept «langsam, sicher, fehlerfrei» nicht das richtige war und stellte kurzerhand um auf: Laufrichtung, Highspeed, Kämpfen, GO!
Mit diesen einfachen Worten konnte ich ein super Rennen laufen und mir mein bisher bestes SM-Resultat bescheren. Ich klassierte mich nur 10 Sekunden hinter dem Podest als 4. Vor mir waren mit M. Kyburz, F. Howald, M. Hubmann Welt- und Europameister. Es lässt sich also damit leben, knapp hinter ihnen zu sein.
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Während den letzten Wochen konnte ich zudem ein weiteres Talent von mir sehr gut ausspielen.
Ich durfte bei einem Sportmedizinerkongress Fragen zum Thema Spitzensport und Medizin beantworten und nur gerade eine Woche später war ich es, der die Fragen stellen durfte.
Bei der Buchvernissage von Dr. med. German E. Clénin (Athletes Health and top performances) konnte ich mit einer auflockernden Fragerunde beim Publikum punkten und merkte, dass ich durchaus auch Chancen auf eine Moderatoren-Karriere hätte…
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Nun ist es bereits Mittwoch und ich befinde mich in der Trainingspause.
Ich nutzte diese Pause, um mich einer längst überfälligen Operation an der Nase zu unterziehen. Die Operation soll mir helfen, gesundheitlich stabiler zu werden und vielleicht das eine oder andere Prozent mehr Sauerstoff im Kopf zu haben in der Zukunft.
Nun heisst es also, mich 3-4 Wochen ruhig zu halten und mich voll und ganz zu erholen. Danach freue ich mich sehr, weiter an meinen Stärken zu Arbeiten und meine Schwächen zu verringern.  Nächstes Jahr will ich dem A-Kader und somit der Weltspitze noch näher zu kommen.
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